Im Bilde

Bilder und Gedichte im Dialog

Lo Scapolo 01

Gedichte sind keine Gleichungen. Wem oder was sie vielleicht gleichen, ist eher Verhandlungssache. Zu verhandeln – mit ihnen selbst. Glücklicherweise sind Gedichte meist sehr gesellige Wesen, die durchaus bereit sind, Rede und Antwort zu stehen: Ihrem Dichter, von dem sie sich nach dem letzten von ihm geschriebenen Buchstaben bereits abgenabelt haben. Dem Leser sowieso, denn darauf, ob, wie und gegebenenfalls an welcher Stelle dieser zu ihnen Zugang findet, haben sie wiederum keinen entscheidenden Einfluss. Sie kommunizieren aber auch ausgesprochen gerne mit ihresgleichen, das beweisen aufs Beste inspiriert zusammengefügte Anthologien und natürlich ebenso gelungene Anordnungen innerhalb eines Gedichtbandes.
 
Warum sie nicht auch mit Wesen der dritten Art dialogisieren lassen? Mit Kinderzeichnungen etwa, Gebrauchsgrafik, mit Pinseleien, Fotos, Postkarten und dergleichen? Die in der Rubrik „Im Bilde“ gesammelten Abbildungen sind also keine Illustrationen zu den Gedichten! Dies würde ja voraussetzen, deren Bedeutung eindeutig definieren und dem dabei privilegierten Sinn einen äquivalenten ‚mustergültigen‘ grafischen Ausdruck zuweisen zu wollen. Eine solche Illustration aber wäre das Grab des damit ‚beglückten‘ Gedichtes!
 
„Im Bilde“ daher als Angebot zu verstehen, den Dialog zwischen Gedicht und Bild zu belauschen - einen Dialog freilich, der sich, praktisch betrachtet, nur in den grauen Zellen des ‚Lauschers‘ abspielen kann - wäre eher im Sinne des Erfinders. Auch, den ge-bildeten Gesprächspartner des Gedichts eher für eingebildet zu befinden, kann dem Zeugen solcher Kommunikation durchaus einen neuen Zugang zu den Versen eröffnen.
 
Oft werden nicht Gesamtabbildungen, sondern Ausschnitte eines Bildes (dafür aber auch mehrere desselben) gezeigt.  Es können sich im Laufe der Zeit auch mehrere Gesprächspartner für ein und dasselbe Gedicht einfinden. Die Bildelemente stammen, sofern nicht extra anders angegeben, von LT.